Freie Wähler – Stellungnahme zum Rahmenplan und Vorhabens- und Erschließungsplan des Spinnereigeländes
In der Sondersitzung des Stadtrates am 20. September gab Stadtrat Dieter Kannengießer für die Freien Wähler folgende Stellungnahme ab:
Beschlussempfehlungsreife Beurteilung im Juli
war nicht möglich
„Zunächst kann festgestellt werden, dass die Beschlussempfehlung
zum Rahmenplan des Bauausschusses vom 10. Juli 2001 sicher nicht zu einer
endgültigen Variantenauswahl führen kann. Erst an diesem Tag
wurden in einem Informationsgespräch am Vormittag die Entwurfspläne
in der Stadt abgegeben, so dass in der Kürze der Zeit für den
Bauausschuss eine beschlussempfehlungsreife Beurteilung überhaupt
nicht möglich war. Hier wurden zwar von den Ausschussmitgliedern wichtige
Anregungen zu Ausführung gegeben, diese sind jedoch nur geeignet in
weitere Entwürfe einzufließen und nicht um eine endgültige
Entscheidung herbeizuleiten.
Mangelhafte Erschließung kritisiert
Bereits in Vorgespräch am 10. Juli , an dem ich mit beteiligt
war, war klar erkennbar, dass nur eine Umsetzung der vorgegebenen Nutzungsmöglichkeiten
erfolgte, jedoch keinesfalls ein Interesse an einer vernünftigen Erschließung
aufgezeigt wurde. Die Vernetzung des Bebauungsgebietes findet überhaupt
nicht statt, anstatt dessen sollen die Quartiere über 8 Wendeplätze
in der Variante B angefahren werden können. Eine Nord- Südverbindung
der Stadtteile kann nur über bestehende stark ausgelastete Straßen
erfolgen. Über eine kommunikative Anbindung an das Stadtzentrum finden
sich keine Darstellungen. Der Stadtratsbeschluss vom 10.09.1996 findet
in die Planung überhaupt keinen Eingang. Hier wurde in der Stellungnahme
zur Fortschreibung des Regionalplanes Südostoberbayern u. a. zum stillgelegten
Industriebetrieb Pfersee-Kolbermoor KG folgender Fortschreibungstext
beschlossen „ Die Stadt hofft, dass die 400 entfallenen Textilarbeitsplätze
in den nächsten Jahren in diesem Gebiet entwickelt werden können“.
Wenn wir kurz darauf zu anderen Fortentwicklungsergebnissen kommen und
dies beschließen, muss dies auch für die letzten Beschlüsse
gelten können.
Rahmenplanvarianten stark verbesserungsbedürftig
Als Laie kann ich sicher keine fachliche Beurteilung abgeben. Dennoch
muss ich feststellen, dass die vorgelegten Rahmplanvarianten untertrieben
gesagt stark verbesserungsbedürftig sind. Unsere Aufgabe besteht darin,
die Planungshoheit auszuüben und die Belange der Stadt Kolbermoor
bestmöglichst zu vertreten. Selbstverständlich muss dabei auch
dem Investor die Möglichkeit gegeben werden, eine umsetzbare Lösung
schaffen zu können. Das Instrument eines städtebaulichen oder
ähnlichen Wettbewerbes erscheint hierfür geeignet. Nicht nur
die Stadt, auch der Investor könnte hiervon gut profitieren. Die Veranstaltung
des Bundes Naturschutz am letzten Samstag zeigte auf, dass die Bürger
intensiver in das Geschehen eingebunden werden könnten. Die Abhaltung
einer Bürgerversammlung zu diesem Thema, nachdem flankierende Beschlüsse
gefasst sind, sind nicht geeignet das Bürgerengagement zu stärken.
Als gewählte Vertreter haben wir zwar einen großen Vertrauensvorschuss
aus teilen der Bürgerschaft, dennoch können wir die Entwicklung
eines ganzen Stadtteils nicht ohne breite Zustimmung aus der Bevölkerung
veranlassen.
Infrastrukturbeteiligung kaum umsetzbar
1999 haben wir entschieden, für einen Vorhabens- und Erschließungsplan
gesprächsbereit zu sein und daraufhin einem Planungskonzept
vom Grundsatz in der Sitzung vom 26.07.2000 zugestimmt. In der Sitzung
am 27. September 2000 erfolgte hierzu der Grundsatzbeschluss über
Beiträge zur Infrastruktur. Nach diesem Zeitpunkt fanden Besprechungen
mit dem Investor und mit unserem beauftragten Fachanwalt Herrn Roithmaier
diesbezüglich statt. Daraus wurde erkennbar, dass ausschließlich
Infrastrukturbeteiligungen gefordert werden können, die nachweislich
mit der Bebauung dieses Gebietes zusammenhängen. Eine Einigung zu
dieser Berechnung wird enorm schwierig, da bereits bekannt ist, dass die
Firma Anterra den größten Teil der geforderten Infrastrukturbeiträge
in Frage stellt.
Welchen Einwohnerzuwachs vertragen wir ?
Infrastrukturauswirkungen – wie z. B. Schule, Kinder- und Jugendbetreuung,
Verkehr sind absehbar. Aus diesen Gründen besteht daher sicherlich
kein dringlicher Handlungsbedarf neue Baugebiete auszuweisen. Gehen wir
auf die Feststellungen zur Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplanes
aus, so wird hier darauf verwiesen, dass das Einwohnerwachstum gemäß
der Stellungnahme des Regionalen Planungsverbandes Südostoberbayern
im Planungszeitraum von 10 – 15 Jahren bei 10 % liegen sollte. Dies wären
beim Ausgangswert von 1996 bei 16.949 Einwohner zusätzlich 1.695 Einwohner
und damit 18.644 bis zum Jahre 2011, oder angenommenes Mittel zum Jahr
2008. Gemäß der letzten Einwohnerfeststellung des statistischen
Landesamtes zählten wir 17.301 Einwohner, so dass wir noch ein Zuwachspotential
von 1.343 Einwohnern bis zum Jahr 2008 haben sollten. Die neben der Fa.
Anterra weitere Wohnbebauungswünsche bestehen, müssen wir auch
deren Auswirkungen beachten. Letztendlich sollten wir uns klar werden,
welchen Zuwachs wir tatsächlich wollen und wie wir diesen in seinen
Auswirkungen vertragen.“
FW-Kolbermoor
Dieter Kannengießer