Freien Wähler analysieren den Haushalt 2001
Stadtrat Dieter Kannengießer gab in der Sitzung vom 03. Mai 2001 für die Freien Wähler Kolbermoor folgende Stellungnahme zum Haushalt 2001 ab:
„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Reimeier,
sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats von Kolbermoor,
das Haushaltsvolumen 2001 mit knapp 65 Mio. DM erscheint in der Höhe
einzigartig. Zieht man jedoch die Einnahmen, die aus Grundstücksverkäufen
von 10.150.000 DM veranschlagt sind ab, normalisiert sich dieses Volumen
auf das Vorjahresniveau. Wie einhellig beschlossen, wird dieser Betrag
für den Bau der neuen Hauptschule an die Rücklage zugeführt.
Diese Rücklagenzuführung findet jedoch nur auf dem Papier statt.
Rücklage für die neue
Hauptschule
Es würde keinen Sinn ergeben, für die anderen Investitionen
Kredite aufzunehmen, wenn Geld in der Rücklage ist. Aus diesem Grund
werden hierfür 5 Mio. DM als Rücklagenentnahme wiederum veranschlagt.
Ob die weiteren Kreditaufnahmen von 5 Mio. DM nötigt werden, kommt
sicher auf den Vollzug des Haushalts an. Genau so gut hätte die Entnahme
aus der Rücklage 0 DM sein können und die Zuführung
an die Rücklage um diesen Betrag gekürzt. Dies ist nur eine haushaltstechnische
Optik. Hier greift also das gesetzlich vorgegebenen Gesamtdeckungsprinzip.
Ein Disput in dieser optischen Darstellung wäre also unnötig,
da das Ergebnis das gleiche bleibt. Dennoch ist anzumerken, dass Grundstücksgeschäfte
nicht originäre Einnahmequellen zur Finanzierung von Haushalten sind.
Der Gesetzgeber müsste die Einnahmemöglichkeiten der Kommunen
dauerhaft sichern und verbessern. Eine Ausgabenreduzierung im laufenden
Verwaltungshaushalt ist kaum vorstellbar, da die Ansprüche an das
Gemeinwesen nach wie vor steigen.
Freistaat entzieht sich einer
adäquaten Mitfinanzierung
Es kann dauerhaft nicht angehen, dass die Anforderungen an die Unterrichtsmittel,
insbesondere in der IT-Ausstattung, immer höher werden und sich der
Staat einer adäquaten Mitfinanzierung entzieht. Die Kosten der Sozialpädagogin
für die Praxisklasse müssen derzeit von uns selbst getragen werden.
Dies ist meiner Ansicht nach nicht hinnehmbar. Hier erwarte ich eine Kostenanforderung
an den Freistaat, da dieser eindeutig für die Personalausstattung
der Schulen zuständig ist.
Weitere Aushöhlung der Kommunalfinanzen durch Gewerbesteuer-Umlagenänderung
Die Aushöhlung der Kommunalfinanzen schreitet voran.Wenn man alleine
die gesetzliche Änderung bei der Gewerbesteuerumlage betrachtet, so
bedienen sich Bund und Länder durch die Erhöhung der Gewerbesteuer-Umlagepunkte
von 83 auf 120 Umlagepunkte bis zum Jahr 2004 aus dem Gewerbesteueraufkommen.
Alleine die Erhöhung der Umlagenpunkte von 83 auf 91 im Jahr 2001
bedeutet eine Verschlechterung von 172.700 DM für die Stadtfinanzen.
Einen Ausgleich durch eine Hebesatzänderung, also einer Steuererhöhung,
wollen wir nicht.
Kreisumlage belastet den Stadthaushalt
mit 9,3 Mio. DM
An den Landkreis Rosenheim müssen wir in diesem Jahr um 768.900
DM mehr an Kreisumlage bezahlen. Die Kreisumlage ist mit 9.323.000 DM also
25,37 % die höchste Ausgabe des Verwaltungshaushaltes. In der letzten
Kreisausschusssitzung konnte ich das wiederum gute Jahresrechnungsergebnis
2000 mitverfolgen. Als Kreisrat habe ich mir deshalb erlaubt, Herrn Landrat
Dr. Max Gimple darauf hinzuweisen, dass die Anzeichen für eine künftige
Kreisumlagensenkung an die Gemeinden sehr deutlich sind. Das Gymnasium
Bruckmühl war zwar im Jahr 2000 Auslöser für die Kreisumlagenerhöhung
von 45 auf 47,5 %, jedoch diente die Umlagenerhöhung in erster Linie
die Verschuldung des Landkreises abzubauen.
Teilausgleich der schlechten
Finanzkraft durch Schlüsselzuweisung
Die Einkommenssteuerbeteiligung als größte Einnahmequelle
ist durch Unsicherheiten der Steuerschätzungen geprägt und erreicht
dennoch 10 Mio. DM, also 28,44 % der Einnahmen im Verwaltungshaushalt.
Die immer noch vergleichbar schlechte Finanzkraft der Stadt Kolbermoor
zeigt sich durch die hohe Ausgleichszahlung der Schlüsselzuweisung
in Höhe von 4 Mio. DM.
Mittelfristig 40 Mio. DM für
neue Hauptschulanlage
Investitionsausweisungen im Vermögenshaushalt sind überwiegend
Ausfluss unserer Beschlüsse. Die wohl gravierendste Ausgabe ist wie
bekannt der Bau der Hauptschule, der mittelfristig mit 40 Mio. DM angesetzt
ist. Das Wichtigste an diesem Projekt ist dessen rasche Umsetzung. Nach
dem derzeitigen Raumprogramm wird eine Doppelturnhalle benötigt.
Enorme Investitionsförderung des Vereinssportes
Der Stadtrat wollte jedoch mehrheitlich eine Dreifachturnhalle berücksichtigen,
da diese langfristig nicht nur den Schulsport, sondern auch den Breitensport
bedienen soll. Außerdem könnte das Raumprogramm der Schule bereits
an seine Grenzen stoßen, wenn man die derzeitigen Bebauungswünsche
verfolgt. Dies zeigt deutlich, dass unseren Stadträten sehr viel am
Breitensport liegt. Die Mehrkosten beim Bau der Dreifachhalle dürften,
gemäß dem Vergleich bei der Vergabe der neuen Halle beim neuen
Gymnasium hier bei ca. 2,8 Mio. DM liegen. Wir können nicht nur zurückschauen
auf die 2,3 Mio. DM teuere Sportanlage am neuen Friedhof, die ebenfalls
durch den Sportverein sehr intensiv genutzt werden kann, sondern auch auf
weitere Grunderwerbskosten, die wir vorsorglich mit 1,5 Mio. DM in diesem
Jahr vorsehen.
Neue Bücherei soll Kulturleben
weiter aufwerten
Der Umbau des Harrerhauses zu einer neuen Bücherei wird das Kulturleben
in Kolbermoor weiter aufwerten. Es gilt aber auch in der Folge, den Medienstand
auf einen modernen Level zu bringen. Ob Räume für die Schule
oder Musikschule verbleiben, ist sicher noch zu prüfen.
Aufgabenverantwortung des Staates
für den Hochwasserschutz
Mit der mittelfristigen Ausweisung der Beträge für die Kostenbeteiligung
am Hochwasserschutz in den Folgejahren mit jährlich 2 Mio. DM können
wir uns nicht einverstanden erklären. Erst in der vergangenen Stadtratssitzung
konnte mir Herr Bürgermeister Reimeier bestätigen, dass die 40
%-ige Beteiligung nur die Planung betrifft und er ebenso der Ansicht ist,
dass der Ausbau Gewässer 1. Ordnung eine reine staatliche Aufgabe
ist. Würden wir diesen hohen Beteiligungssatz anerkennen, müssten
wir nach den bisherigen Kostenschätzungen für diese staatliche
Aufgabe 40 Mio. DM aufbringen. Mit der Beteiligung an den Planungskosten
haben wir unseren guten Willen bereits gezeigt. Nachdem das Investitionsprogramm
nicht verbindlich ist, könnten wir so verbleiben, dass die Beträge
entweder gestrichen werden oder in der künftigen Finanzplanung nicht
mehr berücksichtigt werden. Damit wollen wir uns nicht aus der Verpflichtung
des Hochwasserschutzes stehlen, sondern den eigentlichen Aufgabenträger
in die Verantwortung nehmen.
In meiner Aufzählung habe ich heute lediglich einige Einnahmen
und Ausgaben beleuchtet, bei denen Anregungen oder Kritik zu äußern
sind.
Städtebauförderung
soll fortgeführt werden
Für die Fortführung der Städtebauförderung sollten
wir auch für das Jahr 2004 einen Betrag vorsehen, um zu dokumentieren,
dass wir weiterhin Interesse an dieser Entwicklungsmaßnahme haben.
Ob und wie diese weitergeführt werden ist im zweiten Schritt zu klären
(nach der Aussprache einigte man sich auf 2 Mio. DM ).
Die Freien Wähler Kolbermoor bedanken sich beim Stadtkämmerer
Herrn Roith, der die schwierige Aufgabe gemeistert hat, seit seiner kurzen
Amtsübernahme den Haushaltsplan in gewohnter Qualität aufzustellen.
Wir stimmen daher dem Haushaltsentwurf und der Haushaltssatzung 2001 mit
seinen Anlagen und dem Finanzplan zu.“
FW-Pressereferent – Günter Schirmer
Weitere Infos im Internet: www.freie-waehler-kolbermoor.de