Freie Wähler zum Haushalt 2002
Stadtrat Dieter Kannengießer gab in der Sitzung am 24. April 2002 für die Freien Wähler Kolbermoor folgende Stellungnahme zum Haushalt 2002 ab :
„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Reimeier,
sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats von Kolbermoor,
der städtische Haushalt zeigt nicht nur die laufende Entwicklung, sondern gibt durch die mittelfristige Finanzplanung eine Richtschnur in die Zukunft. Der hohe Schuldenstand von € 21,3 Mio. zum Ende des Jahres 2002 hat alleine in seiner Höhe noch keine Aussagekraft. Vergleicht man die Schulden pro Kopf (€ 1.212) mit dem Landesdurchschnitt ist festzustellen, dass diese fast beim doppelten Betrag vergleichbarer Städte liegen. Diese hohe Verschuldung hemmt nicht nur zukünftige Investitionen, sie lässt kaum Spielräume für neue Entwicklungen oder Wünsche. Die Finanzplanung für die Jahre 2003 – 2005 weist weitere Kreditaufnahmen in Höhe von € 8,27 Mio. aus – insgesamt also keine rosigen Aussichten.
Trotz Schulden hohe Investitionen
Trotz dieser düsteren Vorschau werden die notwendigen Einrichtungen
geschaffen: So wird z. B. der Bau der neuen Hauptschule mit
Dreifachturnhalle nach den letzten Aussagen des Kämmerers €
23,8 Mio. kosten. Die Errichtung des neuen Bauhofes schließt
in diesem Jahr mit knapp € 2,5 Mio. ab. Für die staatlichen Hochwasserschutzmaßnahmen
an der Mangfall werden wir enorme Kostenbeteiligungen leisten müssen.
Die Frage des künftigen Beteiligungssatzes ist noch nicht abschließend
geklärt. Es kann nicht sein, dass sich der Staat für die teuerste
Ausbauvariante entscheidet und nur einen Vorteilssatz für die Gemeinden
des unteren Mangfalltales festlegt. Hier sollten auch die Argumente der
Marktgemeinde Bruckmühl in die gute Kooperation der beteiligten Gemeinden
Eingang finden.
Die Fortsetzung der Städtebausanierung über das Städtebauförderungsprogramm
ist weiter verankertes Ziel des Stadtrates. Es wäre wünschenswert,
wenn sich das „Spinnereigelände“ in dieses Programm integrieren ließe
.
Der Bau der öffentlichen Bücherei wird den Kulturbereich
der Stadt erheblich aufwerten. Trotz hoher Verschuldung und stagnierender
Einnahmen trauen wir uns zu, einen Kulturbereich zu ergänzen bzw.
zu verbessern. Wir erkennen dabei, dass der Bau Folgekosten im Verwaltungshaushalt,
insbesondere in der Medienbeschaffung und im Unterhalt nach sich ziehen
wird. Zugleich sehen wir aber auch, dass diese Erweiterung überfällig
ist.
Ausgaben für Familien herausgestellt
In einer Veranstaltung der vergangenen Woche zum Thema „Bündnis
für Familien“ wurden u. a. der Bedarf an Spielplätzen und
Betreuungseinrichtungen angesprochen. Hier scheint es nötig, bereits
bestehende Einrichtungen für Familien besser zu publizieren, nachdem
offensichtlich breite Informationsdefizite in der Bevölkerung bestehen
. Ich denke hier an eine Broschüre in Form eines „Stadtspiegels“,
der seitens der Verwaltung im Benehmen mit den Vereinen und der Wirtschaft
zusammengestellt werden könnte. Dieser ließe sich durchaus ohne
Steuermittel über Anzeigen finanzieren. Das Bürgerengagement
zu dieser Thematik soll selbstverständlich nicht geschmälert,
sondern lediglich ergänzt werden.
Kindergärten und -horte, Jugendtreff, Schwimmbad und Musikschule
sind bereits bestehende Einrichtungen für Familien und erfordern gemäß
den Zahlen des Verwaltungshaushaltes einen Zuschussbedarf von € 1,587
Mio., finanziert aus den allgemeinen Steuermitteln. Die pflichtgemäße
Ausstattung der Schulen beläuft zudem sich auf € 1,75 Mio. Diese
Mittel für die Bildung der Jugend bereitzustellen war im Stadtrat
noch nie ein Thema von Kürzungen.
Für die Einrichtung neuer Spielplätze bzw. Ergänzungsbeschaffungen
sind über den Vermögenshaushalt 2002 knapp € 108.000 vorgesehen.
Auch der Ausbau der Ganztagsbetreuungs-Einrichtungen wird in der nahen
Zukunft weitere Ausgaben verursachen.
Investitionen für den Vereinssport
In der vergangenen Woche wurde im Hauptausschuss diskutiert, ob trotz
der allgemein hohen Investitionskosten für den Sport noch Mittel bereit
gestellt werden können. Hier ist nochmals zu betonen, dass wir
im vergangenen Jahr den Grunderwerb für Sportflächen vorgenommen
haben. Für die künftige Dreifachturnhalle wurde trotz erheblicher
Mehrkosten die Einrichtung einer Teleskoptribüne beschlossen. Der
neue Stadtrat wird zukunftsweisend überlegen, in welcher Art und Weise
er dem großen Sportverein die Entwicklung eines angedachten Sportzentrums
ermöglicht; sei dies durch Flächentausch oder durch Aktivierung
von Flächen bzw. eines haushaltsverträglichen Investitionskostenzuschusses.
Wenn hier Kommune und Verein an einem Strang ziehen, lässt sich dies
sicher ermöglichen. Aufgrund der Diskussion der vergangenen Woche
wurden nachträglich € 600.000 für die Entwicklung eines
Vereins-Sportzentrums für die Jahre 2002 und 2005 im Haushalt vorgesehen.
Es kann sich selbstverständlich nur um einen Investitionskostenzuschuss
zum Projekt des SV-DJK handeln, da die Planung und das Baukonzept der Verein
selbst zu veranlassen hat und damit die Möglichkeit der BLSV-Bezuschussung
gegeben sein wird. Es ist jedoch festzustellen, dass durch die Veranschlagung
im Haushaltsplan noch kein Einzelbeschluss über die Kostenübernahme
gefasst ist und dies damit ,wie aufgezeigt, entwickelt werden könnte.
Gewerbesteuer rückläufig
Bevor ich schließe, möchte ich doch noch auf ein Thema eingehen,
das die Finanzen der Stadt Kolbermoor außerordentlich belastet, das
sind die drastischen Einbrüche bei der Gewerbesteuer. Als zweitstärkste
Einnahmequelle der Stadt müssen wir gegenüber dem Vorjahr um
€ 1,3 Mio. weniger veranschlagen.
Die davon abzuführende Gewerbesteuerumlage wird von Jahr zu Jahr
höher. Vom Jahr 2000 – zum Jahr 2004 steigen die Umlagepunkte von
83 auf 120. Bund und Land bedienen sich ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche
Entwicklung in den Städten und Gemeinden. Die Folgen dieser einseitigen
Steuergesetzgebung sind bereits heuer deutlich spürbar. Es bleibt
zu hoffen, dass dadurch nicht künftig Ausgaben für Kinderbetreuung,
Kultur oder Sport zurückgefahren werden müssen.
Alle Bereiche des Haushalts zu durchleuchten, wäre wohl ein abendfüllendes
Programm. Die Freien Wähler Kolbermoor bedanken sich zunächst
beim Stadtkämmerer Herrn Roith, für seine übersichtlichen
Darstellungen in den Anlagen zum Haushaltsplan. Somit stimmen wir dem Haushaltsentwurf
und der Haushaltssatzung 2002 mit seinen Anlagen und dem Finanzplan zu.
Dank an scheidenden Bürgermeister Ludwig Reimeier
Abschließend darf ich mich im Namen der Freien Wähler besonders
beim scheidenden Bürgermeister, Herrn Ludwig Reimeier ,in seiner letzten
Stadtratssitzung bedanken. Herr Bürgermeister Reimeier hatte in den
letzten 6 Jahren keine leichte Aufgabe die Finanzen der Stadt zu verwalten.
Es wurden doch enorme Maßnahmen wie z. B. die Sportanlage am neuen
Friedhof, das Heimatmuseum, der neue Bauhof, der Jugendtreff und vieles
mehr in einer Teamarbeit mit dem gesamten Stadtrat bewältigt. Ja,
man kann sagen eine kleine Ära geht zu Ende: 36 Jahre in ehrenamtlicher
Tätigkeit als Stadtrat und die vergangenen Jahre als Bürgermeister
der Stadt Kolbermoor.
Für Ihren weiteren Lebensabschnitt wünsche ich Ihnen alles
Gute und lange Gesundheit.“!
FW-Pressereferent Günter Schirmer
Weitere Infos: www.freie-waehler-kolbermoor.de