Bürgerzeitung 04/1999
Freie Wähler zum 56 Millionen Haushalt
1999
In der Stadtratssitzung vom 24.03.1999 wurde
für die Freien Wähler Kolbermoors folgende Stellungnahme zum
Haushalt 1999 abgegeben:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister 2. Bürgermeister
Schrank,
sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats von
Kolbermoor,
der 56 Mio. -DM - Haushalt 1999 ist zwar gegenüber dem Vorjahr um fast ein Drittel gestiegen. Dieser Anstieg beruht in erster Linie an Investitionsmaßnahmen, die längst beabsichtigt waren, jedoch erst 1999 realisiert werden können. Beleg hierfür ist, daß die geplanten Kreditaufnahmen der letzten drei Jahre um 9,3 Mio. DM unterschritten wurden. Stadtkämmerer Peter Rolke hat seine Aufgabe, das Zahlenmaterial verständlich aufzubereiten, wiederum bestens erfüllt.
Die Kommunalfinanzen sind geprägt von gesetzlichen Aufgabenzuweisungen, deren Erfüllung stets mit Kosten verbunden sind. Bedauerlicherweise fehlt bei Weisungen des Bundes- oder des Landes oftmals die Konnexität zwischen Aufgabenübertragung und Finanzierungsverantwortung. Notwendige Reformen des kommunalen Finanzsystems werden von den Spitzenverbänden (Gemeinde-, Städte- und Landkreistag) immer wieder angemahnt, bringen jedoch nur mäßige Erfolge. Die Gestaltungsspielräume der Städte und Gemeinden sind durch diese Situation sehr eng gefaßt. Kolbermoor gewährleistet den Haushaltsausgleich, wie viele andere Städte auch, über erhebliche Grundstücksveräußerungen. Im diesjährigen Haushalt sind dafür Einnahmen von 4 Mio. DM veranschlagt. Dies hat zur Folge, daß noch heuer das Programm "Bauland für Einheimische" anläuft.
Sehr schwierig gestalten sich der ungebremst steigenden Sozial- und Jugendhilfekosten, die über Umlagen von der Stadt mitzutragen sind. Die Umlage an den Landkreis Rosenheim beträgt 1999 - 7.75 Mio. DM. Die Umlagensätze können sich aufgrund des geplanten weiteren Gymnasiums im westlichen Landkreis um etwa 4 bis 5 Punkte erhöhen.
Einkommenssteuerbeteiligung und Gewerbesteuer
entwickeln sich erfreulich
Die größte Säule der Steuereinnahmen
ist die Einkommensteuerbeteiligung, die voraussicht-lich 9,5 Mio. DM einbringt.
Als zweitgrößte Posten stehen die Gewerbesteuereinnahmen mit
6 Mio. DM zu Buche. Beide Einnahmequellen verbessern sich gegenüber
dem Vorjahr um etwa 3,35 Mio. DM. Dies heißt nicht etwa höhere
Steuersätze, sondern wesentlich bessere Ertrags- und Einkommensverhältnisse.
Die immer wieder aufkommenden Forderungen nach
der Abschaffung der Gewerbesteuer würde einen weiteren Schritt zur
Zerstörung der kommunalen Selbstverwaltung bedeuten. Für die
Abschaffung der Gewerbesteuer würden Ausgleichszahlungen vorgesehen.
In diesem Fall entfiele jedoch des Hebesatzrechts als Steuerungsmöglichkeit
der Stadt und hätte eine weitere Abhängigkeit von staatlichen
Zuweisungen zur Folge. Städte und Gemeinden haben, wie Bund und Land,
nicht leere Kassen, sondern in der Regel zu hohe Schulden. Zudem werden
hohe Ansprüche von Einzel- und Gruppeninteressen nach wie vor politisch
bedient. Es gilt also, in einer vernünftigen Fassung der Beschlüsse
die Finanzverantwortung zu tragen.
20,3 Mio. DM Investitionshöhe im Jahr
1999
Erlauben Sie mir, daß ich auf einige Zahlen
des Vermögenshaushaltes eingehe.
Die Investitionen von 20,3 Mio. DM verdeutlichen
nicht nur den Nachholbedarf an Infrastrukturmaßnahmen, sondern zeigen
auch deutlich auf die Zielsetzungen des gesamten Stadt-rates innerhalb
seines zeitlichen Wirkens auf. Das niedrige Zinsniveau kommt unseren Inve-stitionsvorhaben
sehr entgegen.
Schulen
Der Grunderwerb für die Hauptschule ist
bereits weitgehend getätigt. Im Haushalt wurden 4,2 Mio. DM veranschlagt.
Für die Folgejahre 2000 - 2002 sind 11,15 Mio. DM im Investitionshaushalt
vorgesehen. Dieser finanzielle Kraftakt wird sich dann weiter fortsetzen.
Weitere Hortplatz und Jugendtreff
Neben den 100.000 DM für Kinderspielplatz,
Bolzplatz und Kindergärten werden für den Ausbau eines weiteren
Kinderhortes an der Bodenseestraße 300.000 DM veranschlagt. Für
einen städtischen Jugendtreff werden 330.000 DM vorgesehen. Die im
Vorjahr mit 75.000 DM veranschlagten, jedoch nicht verbrauchten Einrichtungskosten,
werden im nächsten Jahr mit 85.000 DM vorgesehen. Weitere Personalkosten
für pädagogische Betreuung werden un-seren Verwaltungshaushalt
für die Folgejahre treffen.
Fertigstellung des Sportplatzes westlich des
neuen Friedhofs
Der neue Sportplatz mit Gebäude westlich
des neuen Friedhofs mit Gesamtkosten von 2,64 Mio. DM wird ohne staatliche
Hilfe in diesem Jahr fertiggestellt. Vor der Fertigstellung der Anlage
sollte uns die Verwaltung noch eine praktikable Regelungen für Schul-,
Freizeit- und Vereinsnutzung vorlegen. Eine Regelung könnte die Folgekosten
entsprechend beeinflussen. Für den Breitensport hat die Stadt Kolbermoor
damit einen enormen Beitrag geleistet.
Neuer Wertstoff- und Bauhof
Für den Grunderwerb eines neuen Wertstoff-
und Bauhofes sind 2,12 Mio. DM vorgesehen. Der Neubau soll in den Jahren
2000 und 2001 für 3 Mio. DM erstellt werden. Die Notwen-digkeit zeitgemäße
und betriebswirtschaftliche gerecht Bauten einzurichten ist wohl unum-stritten.
Selbstverständlich fließen für die Errichtung des Wertstoffhofes
vom Landkreis als den zuständigen Aufgabenträger Gelder in die
Haushaltskasse zurück. Zudem besteht die Möglichkeit, das bisherige
Bauhofgelände zu Finanzierung zu vermarkten. Auf welche Art der künftige
Bauhof betrieben wird, ist noch nicht ausgesagt.
Fortführung der Städtebauförderung
Notwendige Parkplätze an der Hasselerstraße
zuzüglich eines öffentlichen WC's werden über die Innenstadt
aufwerten (Kosten etwa 735.000 DM). Der westliche Teil des sog. "Hundertmeterbaues"
an der Carl-Jordan-Straße setzt die seit Jahren laufende Städtebausanierung
fort (1999/2000 - 4,86 Mio. DM) und bringt dem Ortsbild eine weitere Aufwertung.
Künftige Gebührenänderungen
durch Investitionen bei der Abwasserbeseitigung
Für bisher zurückgestellten Verbesserungen
in der Abwasserbeseitigung geben wir 5,6 Mio. aus, die sich auf die
künftigen Gebühren auswirken werden.
Die auszugsweise genannten Haushaltspostitionen verdeutlichen die enorme Verantwortung für die Damen und Herren des Stadtrates im Umgang mit den Steuergeldern.
Die Freien Wähler stimmen der Haushaltssatzung
1999 nebst Anlagen und Finanzplan zu.
- Dieter Kannengießer - FW-Stadtrat-