Freie Wähler Kolbermoor – Bürgerengagement stärken
In der Jahresabschlusssitzung 2002 gab Stadtrat Dieter Kannengießer folgende Erklärung ab;
„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Kloo, sehr
geehrte Damen und Herren des Stadtrats,
alle Jahre wieder erhalten wir die Möglichkeit
in unseren Erklärungen zum Jahresabschluss kommunalpolitische Kernpunkte
des abgelaufenen Jahres zu beleuchten bzw. einen Blick in die Zukunft zu
richten. Aufgrund der großen innen- und außenpolitischer Themen
wie z. B. der Erweiterung der europäischen Union, der möglichen
nationalen Beteiligung an militärischen Einsätzen, der Bekanntgabe
ständig sinkender Konjunkturdaten oder der Schnelllebigkeit unserer
Gesetzgebung erscheinen die Sachbereiche einer Stadt oder Gemeinde oftmals
nebensächlich.
Kommunale Selbstverwaltung
- Bürgerengagement
Durch ständig anstehende Wahlen demonstrieren
die Parteien ihre Allgegenwärtigkeit. Wegen permanenter Wahlkämpfe
geht oftmals der Blick auf das Wesentliche verloren. So lassen sich die
mögliche Haarfärbung des Kanzlers oder ein verunfallter Ausspruch
eines Ministerpräsidenten in den Medien besser verkaufen als die unmittelbare
wichtige Gestaltung unseres Lebensraumes. In Fernsehduellen oder Talkrunden
verlieren sich Landes- und Bundespolitiker in teils unsachlichen Streitgesprächen
und merken bisweilen nicht, welchen Schaden sie hierdurch der Demokratie
zufügen.
Unsere Aufgabe als Stadtrat ist es die kommunale
Selbstverwaltung zu leben. Sie bietet auch den Bürgern die Möglichkeit
ihren Lebensbereich vor Ort mitzugestalten. Sehr viele Kolbermoorer wirken
durch ehrenamtliche Eigeninitiative, Bürgeranträge oder Versammlungen
positiv auf das Ortsgeschehen ein. Versuchen wir diese elementaren Anregungen
in unserem Umfeld weiter zu entwickeln!
Rückblick
auf Jahresgeschehen
Der im März dieses Jahres neu gewählte
Stadtrat nahm im Mai seine Arbeit auf. Eine hauchdünne Mehrheit entschied
sich für den jetzt amtierenden neuen Bürgermeister Peter Kloo.
Wir hoffen und wünschen uns, dass sich das Stadtoberhaupt parteiunabhängig
seiner Verantwortung stellt. Nur wenige Stimmen von seinem Ziel entfernt
bewies der Gegen-Kandidat, Stadtratskollege Günter Zellner, seine
Verantwortung, indem er eine berufliche Veränderung für die Annahme
des Stadtratmandates in Kauf nahm.
In diesem Jahr dürfen wir aber auch
kurz auf die Bundestagswahl 2002 eingehen. Unsere junge Stadtratskollegin,
Frau Daniela Raab, zog als Listenkandidatin in den Bundestag ein. Wir wünschen
ihr alles Gute und hoffen, dass sie durch ihre Arbeit im Kolbermoorer
Stadtrat die Probleme der Kommunen kennenlernt. So kann sie bei der Behandlung
von Gesetzen, die auf die Gemeinden Auswirkung haben, eine angemessene
Perspektive entwickeln.
Die Sacharbeit des neuen Stadtrats erfolgte größtenteils in Anknüpfung an die vorher gefassten Entscheidungen. Als zukunftsträchtige Beschlüsse des Stadtrats aus dem Jahr 2002 lassen sich nicht abschließend anführen:
· Planung der künftigen Stadtbücherei
· Grundsatzbeschlüsse zum neuen Flächennutzungsplan
· Endgültige Festlegung der neuen
Sportflächen an zentraler Stelle
· Erweiterung der Gewerbeflächen
· Grundsatzbeschluss zur Ganztagsbetreuung
· Grundsatzbeschluss zur Jugendsozialarbeit
· Vergabebeschlüsse zum Bau der neuen
Hauptschule mit Dreifachturnhalle
Dramatische Finanzeinbrüche
bei den Kommunen
Alle Beschlüsse über Anschaffungen und
Investitionen waren und sind weiterhin geprägt von den dramatischen
Finanzeinbrüchen bei den Kommunen. So mussten z. B. die Städte
und Gemeinden zum massiven Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen gleichzeitig
die jährlich steigende Gewerbesteuerumlage hinnehmen. Die Anhebung
der Gewerbesteuerumlage beruhte auf der irrigen Annahme hoher Gewerbesteuereinnahmen.
Ein Appell sowie eine entsprechende Resolution des Städtetages, diese
Erhöhungen wieder zurückzunehmen, blieben beim Gesetzgeber bisher
ohne Reaktion.
Andere belastende Faktoren sind die Übernahme
von staatlichen Aufgaben ohne entsprechenden finanziellen Ausgleich, der
Einbruch der Einkommenssteuerbeteiligung oder die höheren Umlagebelastungen.
Während die Bezirke und Landkreise ihren Haushaltsausgleich über
Umlagen, in letzter Konsequenz auf die Gemeinden abgewälzt, ausgleichen,
könnten die Städte ihren Ausgleich nur durch Weglassen notwendiger
Leistungen oder durch Steuer- und Abgabenerhöhungen schaffen. Da allgemein
versucht wird höhere Belastungen zu vermeiden, wird dies zwangsläufig
die Kürzung freiwilliger Aufgaben zur Folge haben. Nicht einmal
der Landkreis Rosenheim war bereit, seinen Gemeinden durch eine Haushaltseinsparung
von 0,75 % ein Signal der Solidarität zu senden und hat die Kreisumlage
sogar um einen weiteren Punkt erhöht. Für die Stadt Kolbermoor
bedeutet dieser eine Punkt allein eine Mehrzahlung von 103.800 Euro. Somit
sind im Jahr 2003 insgesamt € 4,93 Mio. an den Kreis zu entrichten.
St.
Bürokratius erfordert Eingreifen des Bürgermeisters
Bevor ich zum Schluss komme möchte ich noch
ganz kurz die Thematik Bauleitplanung aufgreifen. Teile der Republik
waren durch das Jahrhunderthochwasser 2002 gebeutelt. Dadurch ergab sich
wieder ein Sinneswandel bei Bauleitplanungen. Während in den
vergangenen Jahrzehnten, auch von staatlicher Seite her, keine Probleme
gesehen wurden, Ansiedlungen in sog. Überschwemmungsgebieten zu genehmigen,
hat sich die Sichtweise durch die extremen Ereignisse umgekehrt. Dies führte
dazu, dass plötzlich alle Absprachen und damit verbundenen Planungen
mit den übergeordneten Behörden zum neuen Schulbau nicht mehr
galten. So bedurfte es vehementer Einwände und des persönlichen
Einsatzes unseres Bürgermeisters um den St. Bürokratius wieder
auf den Boden der Tatsachen zu holen. Erst in letzter Sekunde konnte
die Baugenehmigung für die Schule erwirkt werden. Ausstehend sind
jedoch noch die Genehmigungen für die gleichfalls betroffenen Privatleute,
die ebenso einen Vertrauensschutz genießen. Obwohl Gewässer
I. Ordnung ausschließlich Aufgabe des Staates sind, hat sich die
Stadt Kolbermoor zur Beteiligung am staatlichen Hochwasserschutz bereit
erklärt und wird so die Situation entschärfen helfen.
Die genannten Punkte können selbstverständlich nur einen kleinen Querschnitt aus dem Aufgabenspektrum unserer Stadt aufzeigen. Einige kritische Anmerkungen schienen nötig, denn unsere Demokratie lebt ja letztlich vom Widerspruch!
Die Freien Wähler Kolbermoor danken allen
ehrenamtlich Wirkenden, die ihre Freizeit für Senioren, Jugend,
Kultur oder Sport einsetzen, recht herzlich für ihr soziales Engagement.
Ebenso möchte ich mich im Namen der Freien Wähler Kolbermoor
beim Bürgermeister, den Stadtratskolleginnen und -kollegen, sowie
den Bediensteten der Stadtverwaltung für die kooperative Arbeit
bedanken.
Nun wünsche ich Ihnen und allen Kolbermoorern
ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute im neuen Jahr! „